Die Georgier

costumes and stage
2016


In dem dokumentarischen Theaterprojekt wird die Geschichte des GEORGISCHEN KAMMERORCHESTERS erzählt, das im Sommer 1990, kurz vor Ausbruch des Krieges in Georgien, nach einem Auftritt beim Schleswig-Holstein-Musikfestival im Westen geblieben ist. Das gesamte Orchester hat in Ingolstadt, mit Unterstützung des dort ansässigen Autokonzerns Audi, eine neue Heimat gefunden und existiert bis heute als professionelles Ensemble, weitestgehend mit georgischen Musikern. Die Geschichte der Georgier wird in Ingolstadt stolz als die einer gelungenen Integration beschrieben. Doch was meint in diesem Fall Integration? Welche Faktoren waren wichtig, um das Ankommen und Neuorientieren zu ermöglichen? Wie wichtig war die Möglichkeit, in der neuen Heimat unmittelbar mit dem Arbeiten beginnen zu können, welche Bedeutung kommt der fremden und eigenen Sprache zu, und was bedeuten Freundschaften hier und dort? Und letztlich, wann hört das Ankommen auf?
Die erste Generation der Musiker ist in den letzten Jahren in Rente gegangen, doch fünf von ihnen agieren in dem Theaterprojekt als Streichquintett auf der Bühne neben fünf Schauspieler*innen des Stadttheater-Ensembles. werkgruppe2 hat in der Recherche 20 Musiker*innen des Orchesters interviewt und auf diesen Gesprächen basieren die Themen und Texte, die vom Wechsel der Heimat erzählen.

„Die Georgier” ist ein wunderbares Stück, das die Dokumentar-Theatertruppe Werkgruppe 2 mit den Musikern und für die Musiker entworfen hat. (...) Der Festsaal des Theaters Ingolstadt schaut ja inzwischen durchaus so aus, als könnte er selbst in Georgien liegen, dazu hat Charlotte Pistorius eine uralte Seilbahngondel hineingestellt, aus der die Darsteller und die Musiker hervor kommen, sich wundernd, wo sie angekommen sind. Das Tolle an dem Stück ist, dass es die spezifisch märchenhafte Geschichte des Orchesters erzählt, aber auch viel über das Europa der letzten 25 Jahre. Dabei mag es eine Gratwanderung sein, die drei Schauspieler und die zwei Schauspielerinnen so sprechen zu lassen, wie es Menschen halt tun, die von weit her kommen. Aber es geht auf, es ist sicherlich auch sehr lustig, Lebensweisheit aus dem Osten, fröhlich und kugelaugenrund, und so menschlich schön. Und auch dies ist die Aufführung: ein prima Konzert.
Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung

In 1990, the entire Georgian Chamber orchestra migrated from Tbilisi to Ingolstadt supported by the automobile enterprise, Audi. They left the paradise which as legend has it, God had created for himself but left to the Georgian people when they missed the distribution of land to all nations. After 25 years of music making in Ingolstadt, the city’s cultural life is unimaginable without the Georgians. Still today, the ensemble is made up solely of Georgians under the current artistic direction of Ruben Gazarian.
The documentary musical theatre project, ‘The Georgians’, questions the history behind the unusual resettlement of a whole orchestra. What were the reasons for fleeing? What did the orchestra represent in Tblisi and what void did it leave behind? What is the unique Georgian sound ascribed to the orchestra? Is it possible that music can help foreignness be accepted by a host society? What are the conditions and prerequisites which enable a successful new start? Can we learn something from the Georgians as a successful model for integration?
In this project, the theatre group werkgruppe2 with current and former members of the Georgian chamber orchestra collected accounts and appraisals of the musicians’ experiences. Based on these interviews, together with members of the Ingolstadt theatre ensemble and some of the orchestra players, they developed a theatre evening about the exciting life stories of the Georgian musicians.


Die Georgier

premiere: 15 November 2016, Stadttheater Ingolstadt, Festsaal

direction:
Julia Roesler

musical direction:
Nikoloz Shamugia

research:
Roesler/ Merzhäuser

costumes and stage:
Charlotte Pistorius

dramaturgy:
Rebecca Reuter, Silke Merzhäuser

with:
Ingrid Cannonier, Katrin Wunderlich, Jan Gebauer, Péter Polgár, Sebastian Witt

and with the musicians:
Lia Chkhartishvili, Viktor Konjaev, Tamaz Lomidze, Viktor Sikarulidze, David Tsadaia

pictures:
Jochen Klenk, Charlotte Pistorius

www.werkgruppe2.de
www.theater.ingolstadt.de
www.georgischeskammerorchester.de